In den vergangenen Jahren entstand der Eindruck, die großen Autohersteller seien von der Krise in der Automobilindustrie besonders betroffen. Das verstellt den Blick auf die nachgelagerten Risiken – bei den Kommunen, die auf Gewerbesteuereinnahmen angewiesen sind und bei den Arbeitern und Angestellten der gesamten Branche.

„Wir werden zahlreiche Investitionen jetzt erst einmal stoppen und verschieben müssen“, erklärt der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer in einem aktuellen Beitrag der ARD-Sendung plusminus. Das weltweit größte Automobilwerk steht hier, mehr als 30.000 Mitarbeiter gehen täglich durch die Werkstore. Doch in der öffentlichen Tiefgarage unter dem Marktplatz der einst reichsten Stadt Deutschlands? Stehen Stützbalken. Die dringend notwendige, aber rund 30 Millionen Euro teure Sanierung schätzt Vöhringer als „fast nicht zu schultern“ ein.

Sinkende Gewerbesteuereinnahmen

Szenenwechsel – wir sind im oberfränkischen Bamberg. Die Region um das historische UNESCO-Weltkulturerbe ist nicht gerade als Keimzelle der Automobilindustrie Deutschlands bekannt, beheimatet aber einige Zulieferer. Und diese berichten bereits von Auftragsrückgängen und Umsatzeinbußen. Im Gewerbegebiet Hallstadt, etwa fünfzehn Autominuten vom Bamburger Dom entfernt, schließt Michelin im nächsten Jahr sein Reifenwerk und setzt damit 850 Mitarbeiter vor die Tür. Gleich nebenan finden sich die Werke von Bosch und Brose – ebenfalls Zulieferer, und damit ebenfalls Teil einer unter Druck geratenen Branche. Immerhin, beide Unternehmen wollen mithelfen und gemeinsam mit weiteren Firmen der Region beispielsweise die Michelin-Azubis übernehmen. Die entgangene Gewerbesteuer des Reifenwerks indes können sie wohl kaum kompensieren, und so kommen auch auf Hallstadt harte und frustrierende Haushaltssitzungen zu.

Gewerbesteuereinnahmen öffentliche Hand

Veröffentlicht hat das Bundesamt für Statistik bislang nur die Gewerbesteuereinnahmen bis 2018 – bereits 2019 berichteten Kommunen wie Sindelfingen von immensen Rückgängen: statt den kalkulierten 83 Millionen Euro konnte OB Vöhringer im Sommer 2019 nun nur noch mit 43 Millionen Euro rechnen. Die schwäbische Sparsamkeit wird sicherlich eine Weile helfen – die Folgen für die Stadt sind jedoch bereits sichtbar. Wie stark alle Kommunen von der Konjunktur im Land abhängig sind, lässt sich deutlich an der Talsohle im Krisenjahr 2009 (Markierung) erkennen.

Steigende Ausgaben

Die fehlenden Gewerbesteuereinnahmen können in Städten wie Sindelfingen, Hallstadt oder auch das ebenfalls im Bericht porträtierte Ingolstadt massiv sein, dabei bleibt es aber nicht: Sinkt das Lohnniveau der Beschäftigten oder kommt es gar zu (weiteren) Entlassungen, bleiben gleichzeitig Lohn- und Einkommenssteuereinnahmen aus. Unterhält eine Stadt Einrichtungen wie Kindergärten, für die einkommensabhängige Gebühren fällig sind, sinken auch diese. Und: von Stellenabbau betroffene Bürger werden die Arbeitsagenturen ansteuern und die ihnen zustehenden Hilfen beantragen. Dies belastet zusätzlich die Sozialkassen und sorgt für einen weiteren Soll-Posten im Etat der Kommunen.

Geringere Attraktivität

Dass Menschen in Zeiten wirtschaftlicher Ungewissheit weniger Geld ausgeben, ist kein Geheimnis. Und so zieht die Krise eines einzelnen Unternehmens gleich mehrere Branchen mit sich – der Einzelhandel wird sich auf weniger kauffreudige Kundschaft einstellen müssen, Immobilienvermieter und -verkäufer auf weniger zahlungskräftige Interessenten. Schließlich achten erwiesenermaßen auch diejenigen strenger auf ihre Ausgaben, die gar nicht selbst von Einkommensverlusten betroffen sind. Sie kaufen weniger Kleidung, verreisen seltener und verschieben größere Anschaffungen wie Möbel oder: Autos. Sie besuchen weniger die Kinos und Restaurants ihrer Stadt und zeigen sich bei Spenden weniger großzügiger. Sorge wirkt ansteckend. Verlassen wegen Unternehmensschließungen und Kündigungen dann auch noch mehrere Einwohner ihre Stadt – und ziehen neuen Jobs hinterher –, sinkt die Attraktivität einer Kommune weiter.

Kleinere Auftragsvolumen

Kommen wir zurück auf das Beispiel Sindelfingen: Statt den ursprünglich im Haushalt verabschiedeten 83 Millionen Euro sind 2019 nur noch um die 43 Millionen in die Stadtkassen geflossen – allein 20 Millionen Euro entfielen auf die Gewerbesteuer. Die notwendigen Sanierungen der Tiefgarage, aber auch des Hallenbades fielen der Haushaltssperre zum Opfer und bleiben erst einmal in der Schwebe. So ärgerlich dies für die Sindelfinger Bürger ist, so sehr fehlen die etwa 30 Millionen Euro Auftragsvolumen wiederum bei den Baufirmen und Handwerkern, die sich allein an der Tiefgarage nebst Marktplatz verdingt hätten. Und auch dies zieht weitere Kreise, sämtliche Dienstleister und Händler leiden natürlich an der angespannten finanziellen Situation ihrer Heimatstadt.

Was können Unternehmer tun?

Schwankungen in den Gewerbesteuereinnahmen (und ebenso in den Ausgaben etwa für die Sozialkassen) sind deutsche Kommunen landauf, landab gewohnt. Es gehört zur Natur der Sache, dass sie diese Zyklen einplanen und kompensieren müssen – genau wie Unternehmen diese Schwankungen in der Auftragslage einkalkulieren müssen. Was Sie als Unternehmer jedoch nicht in Kauf nehmen müssen: sinkende Zahlungseingänge. Einerseits gehört zur unternehmerischen Kultur dazu, jederzeit neue Kunden und Aufträge an Land zu ziehen. Vital und aufmerksam zu bleiben, auch wenn die Branche oder Region negative Signale sendet.

Und zum Anderen sollten Sie Ihre offenen Forderungen absichern: Schauen Sie genau auf Ihre Auftraggeber, prüfen Sie deren Verlässlichkeit. Nehmen Sie beispielsweise an einer Ausschreibung der Öffentlichen Hand teil, kann Ihnen ein Blick in die lokale Presse schon lohnenswerte Einsichten verschaffen. Die Gewerbesteuereinnahmen sind zwar nicht der einzige Geldfluss in Kommunen, wohl aber der wichtigste. Hat wie in Sindelfingen ein großes Unternehmen in der betreffenden Stadt seine Gewinnprognosen gesenkt? Gibt es bereits Investitionen, die längst überfällig sind? Rechnen Sie gerade in diesen Zeiten mit längeren Entscheidungszeiträumen, Verschiebungen und vorerst gestoppten Geldern. Und: Holen Sie sich mit einem Kreditversicherer eine professionelle Absicherung an Ihre Seite. Auch Factoring kann Ihnen helfen, die Liquidität zu sichern. Forderungssummen erhalten Sie dann sofort, anstatt auf eine Zahlung durch Ihren Gläubiger warten zu müssen.

Gerne zeigen wir Ihnen Ihre Möglichkeiten: Sprechen Sie uns an, ob in Sindelfingen, Hallstadt oder im Rest der Republik – wir beraten und vermitteln unabhängig, anbieterunabhängig und bundesweit!

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