Dieselgate – und nun?

Eine Zusammenfassung aus Sicht der Warenkreditversicherung

Seit September 2015 ist der Begriff Dieselgate in aller Munde. Zu diesem Zeitpunkt nämlich stellte sich heraus, dass Volkswagen eine illegale Software bei seinen Dieselfahrzeugen verwendet hat, um Abgaswerte zu manipulieren und so Emissionsnormen zu umgehen. Damit nicht genug: Besagte Software setzte man offenbar nicht nur bei den eigenen Marken Audi, Porsche und VW ein. Entsprechende Nachforschungen folgten auch bei anderen deutschen Automobilherstellern wie Daimler und Opel. Auch im Ausland zog der Skandal Kreise – Hersteller wie Renault und Ford scheinen ebenfalls bei den Abgaswerten ihrer Dieselfahrzeuge geschummelt zu haben, wie aus einer von Verkehrsminister Dobrindt angeordneten Studie hervorgeht (Quelle).

Eine Razzia oder: der völlige Vertrauensverlust

Am gestrigen Dienstag eskalierte die Situation für die deutsche Autoindustrie nun völlig, als 230 Polizisten und knapp zwei Dutzend Staatsanwälte mit einer Razzia elf deutsche Daimler-Standorte gleichzeitig durchkämmen. Ob und wie viele Belege für den Verdacht auf Betrug und verbotene Werbung dabei gefunden wurden, werden wir in den nächsten Wochen wohl erfahren. Klar ist schon jetzt, dass nicht nur Marke und Börsenkurs dabei Schaden genommen haben. Stattdessen manifestiert sich, dass der Abgasskandal kein reines VW-Problem, sondern ein globales, herstellerübergreifendes Fiasko für die komplette Branche ist.

Die Zukunft: Mobilität ohne VW, Mercedes und Co?

Längst diskutiert man heftig und bis ins Kanzleramt, wie sich die Manipulationen für die hierzulande so zentrale Automobilindustrie auswirkt. Auch ohne verbesserte Abgaswerte wankt die Zukunft der Dieselfahrzeuge, in einigen deutschen Städten wie Stuttgart oder Köln diskutiert man wegen der miserablen Feinstaubwerte über ein Fahrverbot. Der Hamburger Senat beschloss bereits ein Fahrverbot für ältere Diesel auf zwei städtischen Hauptverkehrsadern. Jahrelang forschte man nur halbherzig an alternativen Antriebsmethoden wie dem Elektromotor. Wollen die Autokonzerne ihre Marken weiterhin durch deutsche Städte fahren sehen, sind sie nun zum Umdenken gezwungen. Volvo hat beispielsweise angekündigt, ab 2020 keine Dieselfahrzeuge mehr zu produzieren.

VW Passat vor Stopschild Dieselgate

Vorfahrt hat nur, wer Mobilität neu denkt. Bild: Flickr, CC0

Die Einschnitte für die komplette Branche sind bereits jetzt deutlich spürbar. Zum einen sinken die Zulassungszahlen von Dieselautos, natürlich auch wegen der großen Ungewissheit, wie lange und wie flächendeckend ein Käufer das Auto überhaupt noch fahren darf. Zum anderen heißt das meistverkaufte Auto Europas erstmalig seit Jahren nicht mehr VW Golf. Einer der mutmaßlichen Gründe: Vertrauensverluste durch das Dieselgate.

Tradition sucht Flexibilität, Mut und frische Ideen

Finanziell wird die Zukunft für viele Zulieferer rauer. Laut einer Analyse des Kreditversicherers Atradius sind vor allem kleine und mittlere Automobilzulieferer betroffen. Diese haben sich häufig auf eine bestimmte Technologie oder bestimmte Produkte spezialisiert. Was bis dato ein Wettbewerbsvorteil war, hat sich nun zu einem handfesten Problem entwickelt. Denn nun fehlen den Unternehmen häufig Kapazitäten und finanzielle Mittel, um mit dem rasanten Technikwandel, der sich seit dem Abgasskandal in der Branche bemerkbar macht, mithalten zu können. Die Folge sind sinkende Margen, die man bereits in den letzten Jahren beobachten konnte.

Kurzfristig scheint das Zahlungsunfähigkeits- und Ausfallrisiko bei den Unternehmen noch gering – laut Atradius werden wir jedoch ebendies mittelfristig feststellen können, wenn die Unternehmen nicht in der Lage sind, ihr Produktportfolio durch finanzielle und strategische Kooperationen weiterzuentwickeln. Durch den Abgasskandal steigt die Nachfrage nach leichteren Baumaterialien und alternativen Antriebsformen für die Autos der Zukunft. Unternehmen, die sich diese aktuellen Anforderungen an Mobilität spezialisiert haben, können als Gewinner hervorgehen. Besonders Anbietern von Batterien oder Stromversorgung für Fahrzeuge prognostiert man derzeit goldene Zeiten. Erst recht, wenn auf Volvo weitere Unternehmen folgen, die verstärkt auf Elektromotoren setzen.

Besonders abwegig ist dies übrigens nicht, denn ganz unabhängig von den aktuellen Ereignissen um das Dieselgate setzen Länder wie Norwegen oder die Niederlande schon jetzt von staatlicher Seite Reize, den Verbrennungsmotor durch einen Elektromotor zu ersetzen oder nehmen sich gar vor, in einigen Jahren keine Neuzulassungen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren mehr zu gewähren.

Lassen Sie sich nicht überrollen!

Die Zeiten in der Automobilindustrie versprechen spannend zu werden. Das Umdenken – ob freiwillig, qua Gesetz oder durch einen Dieselskandal – und mit ihm der Technologiewandel haben gerade erst begonnen. Ganz gleich, wie sich die Märkte wandeln: Als Makler sind wir an Ihrer Seite. Sollten Sie Fragen zur derzeitigen Limitpolitik in der Automobilbranche haben oder eine Warenkreditversicherung benötigen, sprechen Sie uns an!

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2018-11-05T23:30:45+00:00Mai 24th, 2017|Branchenrisiken|1 Comment

One Comment

  1. […] Bleibt zu hoffen, dass die dahinterstehenden Banken ihre Aufgabe gründlich erfüllen, indem sie eben nicht nur Geld vorstrecken, sondern vorher ihre Kreditnehmer ausgiebig unter die Lupe nehmen. Die deutsche Autobranche hat schließlich schon genug Sorgen. […]

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