364 Milliarden Euro. So hoch sind die ungedeckten Pensionslasten, die Ende vergangenen Jahres auf deutschen Unternehmen lagen. Dreihundertvierundsechzig Millionen Euro also sind den Arbeitnehmern, die eine Betriebsrente abgeschlossen haben, fest zugesagt – aber es steht ihnen bislang kein entsprechendes Vermögen entgegen.

Problem Niedrigzins

Viele Jahre lang stiegen genau diese Pensionslasten, und mit ihnen kongruent die Sorgen der Arbeitgeber. Denn wie sollen diese hohen Summen jemals aufgebracht werden? Erst recht, wenn die Zinsen wie derzeit so niedrig sind, dass Unternehmen ihre Pensionsrücklagen immer höher ansetzen müssen, aber kaum ertragreich anlegen können? Und, wenn die Menschen immer älter werden und sich die Bezugsdauer ihrer Rente somit erhöht?

Nun liegt das Geld ohnehin nicht in barer Münze in den Schließfächern der Unternehmen. Die Rücklagen für die betriebliche Altersvorsorge werden durch sämtliches Kapital der Unternehmen gebildet. Das heißt, auch Anlagevermögen wie Maschinen und Anlagen zählen beispielsweise als Sicherheit für die Pensionszusagen. Diese werden dann gebündelt in der Bilanz als Rückstellungen angesetzt – maßgeblich bestimmt durch den aktuellen Rechnungszins. Je niedriger der Zins, desto höher die anzusetzenden Rückstellungen in der Bilanz.

Zwar sorgte dieser nach jahrelangem Verfall Ende 2015 auch für etwas Entspannung. Dennoch werden die Unternehmen künftig von großzügigen Pensionszusagen absehen (müssen), denn die Niedrigzinsphase werde mit hoher Wahrscheinlichkeit anhalten, schätzt die Beratungsgesellschaft Willis Towers Watson, die seit Jahren das Thema betriebliche Altersvorsorge scannt.

Rücklagen erhöhen

Einige Unternehmen haben die Gefahr ungesicherter Pensionszusagen zumindest erkannt und reagiert. Daimler, RWE, BMW, Lufthansa oder VW: Sie alle verließen sich nicht darauf, dass die Zinsen irgendwann wieder steigen, sondern schossen nach Recherchen von Willis Towers Watson Millionen und sogar Milliarden in die Pensionskassen nach.

Pensionsrücklagen Pension Altersvorsorge

 

Alle Dax-30-Unternehmen zusammen legten insgesamt rund 10 Milliarden Euro zusätzlich zurück. Damit verringerte sich die Pensionslücke um etwa 2,4 Prozent gegenüber dem Jahr 2014. Der Ausfinanzierungsgrad liegt damit inzwischen bei 65 Prozent. 2013, als wir uns dem Thema Betriebsrente ebenfalls an dieser Stelle widmeten, waren es noch 63 Prozent.

Noch offen: Pensionslücke im Mittelstand

Weniger positiv sieht es jedoch für den Mittelstand aus, denn hier wird nicht nach internationalen Börsenregeln, sondern nach Handelsgesetzbuch bilanziert. Das legte für die Berechnung der Rückstellungen bislang den durchschnittlichen Marktzins der vergangenen sieben Jahre fest. Ein für die heutige Geldpolitik der Notenbanken unpassender Zeitraum, in dem sich der Zinsverfall nun erst noch mit Verzögerung niederschlagen wird. Im Februar 2016 beschloss die Bundesregierung deshalb eine Erweiterung des Referenzzeitraums auf zehn Jahre, um den gewünschten Glättungseffekt wirklich zu erreichen. Zusätzlich gilt künftig eine Ausschüttungssperre.

Wie groß die Pensionslücke im so wichtigen deutschen Mittelstand also tatsächlich sein wird, wird erst in den nächsten Bilanzierungsrunden sichtbar – inklusive möglicher Konsequenzen. Der Strumpfhersteller Kunert etwa hatte bereits 2013 wegen eines schnellen Umsatz- und dann Personalrückgangs plötzlich vier Pensionäre von einem Arbeitnehmer zu finanzieren. Und die Deutsche Mechatronics in Mechernich/NRW konnte wegen hoher Pensionsansprüche von Arbeitnehmern keine neue Finanzierungsquellen erschließen.

Unerwartet, aber keineswegs abwegig: Insolvenz

Das sind nur zwei von vielen Beispielen, bei denen Unternehmen wegen ihrer Pensionslasten nur noch der Weg in die Insolvenz führte. Sorgen Sie vor und achten Sie auch bei Ihren Kunden und Geschäftspartnern darauf, dass eine Insolvenz durchaus aus zunächst unerwarteter Ecke kommen kann!

Denn klar ist: Betriebsrenten sind und bleiben ein hohes Risiko für Arbeitgeber. In der Vergangenheit haben viele Unternehmen die Renditezusagen ihrer betrieblichen Altersversorgung allzu optimistisch geplant.

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