Knapp fünf Prozent weniger Unternehmensinsolvenzen meldete das Statistische Bundesamt für das erste Quartal 2016. Seit 2010 bereits sind jedes Jahr weniger deutsche Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit geraten, ein erfreulicher Trend. Gestiegen ist jedoch die Schadenssumme: 4,9 Milliarden (+16,6%) offene Forderungen werden jetzt von den jeweiligen Insolvenzverwaltern betreut und schließlich nur noch als Bruchteil an die Gläubiger ausgeschüttet. Im Vergleichszeitraum, 1. Quartal 2015, waren dies noch 4,2 Milliarden Euro.

Insolvenzen

Zahlenquelle: Statistisches Bundesamt, 1. Quartal 2016. Grafik: VIA Delcredere GmbH, 2016

Trendwende in Sicht

Auch der Kreditversicherer Euler Hermes schnitt über Jahre rückläufige Insolvenzzahlen mit. Zudem war (und ist) die Zahlungsmoral deutscher Unternehmen im weltweiten Vergleich hoch. „Nach durchschnittlich 56 Tagen bezahlen börsennotierte deutsche Unternehmen ihre Rechnungen, das ist elf Tage schneller als der weltweite Durchschnitt“, erklärt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in der DACH-Region.

Dennoch: Bei Euler Hermes rechnet man mit einer Trendwende. In diesem Jahr stehen die Prognosen des Kreditversicherers auf Stillstand – das heißt, immerhin stagnierende Insolvenzzahlen. Bereits 2017 sollen diese dann aber um 1 Prozent innerhalb Deutschlands steigen. Weltweit erwartet Euler Hermes einen Zuwachs von 2%, sowohl in 2016 als auch abermals in 2017.

Zwar klingt dieser Anstieg zunächst noch marginal, auch das Wirtschaftswachstum verspreche mit einem erwarteten Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt um 1,7 Prozent noch Gutes. Als exportstarke Nation leiden deutsche Unternehmen vor allem auch unter den Entwicklungen bei wichtigen Handelspartnern. Dort steigen vielerorts die Insolvenzen. Mit den USA, Großbritannien und China verzeichnen gleich drei der fünf wichtigsten Handelspartner der Deutschen einen Zuwachs bei den Pleiten.

Große Namen im Kundenstamm verheißen Sicherheit?

Aus unserer Sicht besonders beunruhigend ist die Beobachtung des Kreditversicherers, dass mehr und mehr Großinsolvenzen die Gesamtbilanz dämpfen. Hieß es lange „too big to fail“, warnt Euler Hermes nun vor „too big, which failed“. Der weltweite Trend an Insolvenzen großer und sehr großer Unternehmen, die so schnell zahlreiche Lieferanten mit in den Abwärtsstrudel ziehen können, sei alarmierend.

In Deutschland zählte man acht Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro, die 2015 in die Insolvenz gingen. Kumuliert waren das sogar 2 Milliarden Euro Umsatz, die schlichtweg fehlten. Weltweit gab es 152 Großinsolvenzen, 2014 waren das nur 94. Auch wir erleben derzeit eine verstärkte Nachfrage nach Zusatzdeckungen – ein Indiz dafür, dass die Limite bei den Kreditversicheren trotz historisch hoher Zeichnungsquoten immer häufiger nicht mehr ausreichend sind.

Eine insgesamt bedrohliche Entwicklung, denn: Welches Unternehmen fühlte sich denn bislang nicht relativ sicher, wenn sie ein oder mehrere große Namen im Kundenstamm hatten? Trotz aller Einschränkungen, die diese sicherlich mitbringen – etwa, weil es großen Namen immer leichter fällt, die Daumenschrauben bei Preis, Liefer- und Zahlungsbedingungen anzuziehen – versprach es doch immer recht stabilen Umsatz oder gar Wachstum, hatte man einen Großen an der Angel.

Die Zahlungsausfälle sind bereits um 3 Prozent gestiegen, und schaut man auf die Branchen, ist es besonders die bereits seit Monaten schwer gebeutelte Textilindustrie und der Textileinzelhandel, die mit Verlusten und Risiken zu kämpfen haben. „Aber auch die Transport- und Metallbranche bleiben Wackelkandidaten mit erheblichem Risiko“, ergänzt Van het Hof. „Der Handels- und Dienstleistungssektor sowie die Baubranche haben zwar zuletzt allesamt einen Rückgang verzeichnet, aber absolut gesehen sind sie immer noch für die höchste Anzahl an Pleiten verantwortlich.“

Es gilt also, an dieser Stelle noch kritischer hinzuschauen – das rät Euler Hermes aufgrund seiner aktuellen Prognosen gerade wegen eines drohenden Dominoeffekts. Und das raten auch wir als Kreditversicherungsmakler. Wir beraten Sie gern.

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