Währungsverluste, sinkende Rohstoffpreise – und zu viele nahezu ausweglose Konflikte und Krisen weltweit: Das Jahr 2015 war turbulent und voller Herausforderungen, viele der von uns angesprochenen Themen werden uns auch 2016 begleiten.

Insolvenzen – und der einbrechende chinesische Markt

Weltweit sinkende Insolvenzzahlen: Das war die gute Nachricht für das vergangene Jahr. Insbesondere Europa konnte 2015 etwas aufatmen (mehr dazu berichtet die Euler Hermes Insolvenzprognose) – und darf auch 2016 auf weitere Erholung hoffen. Anders sieht dies jedoch in China aus, das ja in den letzten Jahren mit geradezu unglaublichen, zweistelligen Wachstumszahlen glänzte. Ganze 20 Prozent mehr Insolvenzen erwarten Experten in diesem Jahr für das Reich der Mitte. Mit seiner aktuellen Währungspolitik verkompliziert das Land seine Lage noch zusätzlich. Der Yuan soll sich zu einer der weltweiten Leitwährungen entwickeln, gerät aber bislang nur wegen seiner Kursverluste in die Schlagzeilen. Und erst vor wenigen Tagen kollabierte Chinas Börse – erneut. Börsenturbulenzen sind Gift für die Wirtschaft, weltweit.

Kursschwankungen: Für einen Euro bekam man 2015 zwischen 6,57 Renmimbi Yuan (April) und 7,42 Renmimbi Yuan (August).

Kursschwankungen: Für einen Euro bekam man 2015 zwischen 6,57 Renmimbi Yuan (April) und 7,42 Renmimbi Yuan (August).

Steigend ist da nur noch der Frust für Teile der chinesischen Bevölkerung. Deren Traum vom Luxus scheint ausgeträumt, seit sie sich als Kleinanleger in Aktiengeschäften verschuldet haben. Und steigend ist auch das Risiko für deutsche Exporteure, denn der chinesische Markt mit seinen fast unstillbaren Bedürfnissen nach Konsum- und Luxusgütern brachte viele Unternehmen durch die vergangenen Jahre. Die gesamte Weltkonjunktur ist von China abhängig, und damit auch das Wohlergehen von Deutschland und Europa.

Brics-Staaten

Ist etwa die Messe für alle Schwellenländer schon gesungen? Bereits 2014 berichteten wir über das Ende des goldenen Zeitalters. 2015 aber schwächelte nicht nur China. Brasilien wurde von einem großen Korruptionsskandal überschattet und spielt in der Schadensstatistik eine immer größere Rolle.

Die Türkei gerät als Wirtschaftsstandort immer weiter unter Druck und wird 2016 durch die von Russland verhängten Sanktionen gerade im Bereich des Tourismus leiden. Dessen Zukunft ist nach dem Anschlag in Istanbul am 12. Januar ohnehin völlig offen. Und die nicht nur geografische Nähe zum Krieg in Syrien sowie verschiedene innen- und außenpolitische Krisen, in die die Türkei verwickelt ist, destabilisiert zusätzlich.

Krisen und Flüchtlingsströme

Das Thema Terror und Flüchtlinge wird uns auch die nächsten Jahre beschäftigen. Die Herausforderungen für alle – Flüchtlinge wie aufnehmende Staaten – liegen auf der Hand. Darüberhinaus gibt es aber durchaus Länder und Branchen, die profitieren. So beschert der Terror einigen europäischen Ländern Besucherrekorde im Tourismus. Und Österreich konnte die Rezession durch die Flüchtlinge wieder verlassen.

Frankreich dagegen musste 2015 mit dem Attentat auf Charlie Hebdo im Januar und den Anschlägen im November gleich zwei schockierende terroristische Angriffe verkraften. Und die blieben auch für die Wirtschaft nicht folgenlos, das zunächst erwartete Wirtschaftswachstum kehrte sich um. Für das letzte Quartal 2015 gehen unsere Nachbarn wieder von einem schrumpfenden Bruttosozialprodukt aus. Zu groß ist der direkte Einfluss der weltweiten Krisen und Konflikte. Eine friedliche Lösung für Syrien und ein von der Weltgemeinschaft gemeinsam getragenes Vorgehen gegen den IS ist jedoch derzeit nicht greifbar.

Rohstoffpreise im Sturzflug

Das aus unserer Sicht wichtigste Thema für 2016: die Rohstoffe und die Folgen eines sinkenden Ölpreises. Viele ölexportierende Länder haben keinen ausgeglichenen Haushalt mehr. Das fehlende Geld destabilisiert ganze Regionen, viele der Länder müssen Ihre Haushalte kürzen oder an ihre Reserven gehen. So berichtete das Marktforschungsunternehmen Insight Discovery, Saudi-Arabien habe etwa 50 bis 70 Milliarden Dollar aus Fonds abgezogen. Um an frisches Kapital zu kommen, plant man nun den Börsengang des weltgrößten Ölkonzerns Aramco.

Haushaltskürzungen sind Gift für die weltweite Konjunktur. Aber auch der Mittelabfluss aus den Staatsfonds könnte mittelfristig einen erheblichen Einfluss auf die weltweite Wirtschaft haben. Schon heute sind sie an den meisten börsennotierten Gesellschaften beteiligt. Eine Erholung ist nicht in Sicht – und wenn auch der Iran liefern darf, ist ein weiteres Land am Ölmarkt aktiv, das dringend Devisen zur Modernisierung des eigenen Landes benötigt.

Insolvenzanfechtung

Richtig klein wirkt unter all den großen weltwirtschaftlichen Themen da unser Dauerbrenner der Jahre 2014 und 2015: Insolvenzanfechtung. Dabei ist es nicht minder riskant, wir hörten von einigen Unternehmen, die überraschend Post von Insolvenzverwaltern bekamen. Umso erfreulicher, dass inzwischen konkrete Überarbeitungspläne (und ein Entwurf) seitens des Bundesjustizministeriums vorliegen. Auf die entsprechende Verabschiedung der Reform wartet man derzeit noch, auch sind die angestrebten Verbesserungen unserem Dafürhalten nach nicht weitreichend genug. Wir haben aber begründete Hoffnung, dass die verschiedenen Verbände, die sich für die Änderung des geltenden Rechtes stark gemacht haben, auch weiter gegen die Vorschläge Widerstand leisten. Sagten wir Dauerbrenner? Dauerbrenner. Das Thema wird uns auch weiter auch 2016 weiterbeschäftigen.

Liebe Leserinnen und Leser, wir wünschen Ihnen ein chancenreiches und erfolgreiches, gut abgesichertes und dadurch risikoarmes Jahr 2016 – natürlich informieren wir Sie auch in diesem Jahr über alle entscheidenden Entwicklungen aus der Welt der Wirtschaft.

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