Milliardenhohe Schulden, nicht genug Devisen, Währungsverluste: Russland gehen die Scheine aus. Der sinkende Ölpreis besiegelt die Finanzkrise. Wie ist die Lage in Putins Reich, und was bedeutet sie für deutsche Unternehmen?

3,5 Prozent weniger Einkommen im vergangenen Jahr, weitere 3,7 Prozent Rückgang in diesem Jahr – die russische Bevölkerung muss mit immer weniger Geld auskommen. Das Bruttoinlandsprodukt sinkt, die Menschen lassen die Shopping Malls links liegen und kaufen nur das, was unbedingt nötig ist. Von Kleidung über Kosmetik bis zum neuen Auto: Alle konsumabhängigen Branchen müssen seit rund zwei Jahren empfindliche Einbußen hinnehmen.

Inflationsrate Russland

Russland befindet sich mitten in der Rezession – und mit dem, was die russischen Bürger im Kleinen durchmachen, damit ist Elwira Nabuillina im Großen konfrontiert. Die Chefin der russischen Notenbank sagte kürzlich sogar ihren geplanten Besuch inklusive Vortrag beim Weltwirtschaftsforum in Davos ab.

Auslöser war ganz offensichtlich der enorme Verfall des Rubels. Die russische Währung hängt am Ölpreis, und der ist bereits seit langem im Keller. Nachdem nun aber auch noch iranisches Öl auf den Weltmarkt strömen sollte, ging der Rubel in den freien Fall. Aktuell bekommt man für einen Euro bereits um die 87 Rubel. Vor einem Jahr waren es immerhin noch 76, vor fünf Jahren 40 Rubel.

Was kann der Staatshaushalt verkraften?

Seit mehr als einem Jahr muss man bereits mit einem Staatsbankrott rechnen, wir berichteten bereits Ende 2014 an dieser Stelle. Der ehemalige Finanzminister Alexej Kudrin schätzt, dass nur noch zwei Jahre bleiben, „um die soziale Lage in der Bevölkerung unter Kontrolle zu halten. Andere Schätzungen belaufen sich auf maximal 18 Monate bis zum Bankrott. Wie der angesichts von rund 600 Milliarden Dollar Devisenschulden abgewendet werden soll, steht in den Sternen. Immerhin verfügt das Land nur über 200 bis 368 Milliarden Dollar Devisen – je nachdem, wer die Zahlen nennt. Genug ist es ohnehin nicht.

Auch deutsche Unternehmen haben die prekäre Lage des Landes längst erkannt. Scharenweise verringern oder beenden sie ihr Russlandgeschäft. Ein Viertel der deutschen Firmenvertretungen in Russland wurde bereits geschlossen. Seit der Einnahme der Insel Krim und der darauf folgenden Sanktionen des Westens sinkt Wirtschaftsleistung ebenso wie Lebensqualität. Doch statt diplomatische Gespräche zu führen, die irgendwann einmal die Lockerung oder Aufhebung der Sanktionen mit sich bringen könnten, mischt sich Putin lieber mit Bombardements in den Syrienkrieg ein. Krieg wird die Haushaltskasse aber sicherlich nicht entlasten, ganz im Gegenteil.

Russlands Haushaltsplan: Schon im Januar obsolet

A propos, Haushaltskasse. Die legte man ausgehend von einem Ölpreis von mindestens 50 Dollar an. Das war zu optimistisch, aktuell kostet ein Fass Öl nur noch um die 30 Dollar. Zunächst reagiert man mit drastischen Sparmaßnahmen. Zum Wachstum haben diese aber noch nie verholfen.

Eine verfahrene Situation, vor der Elwira Nabuillina da steht. Die Notenbankchefin wird wohl auch künftig in Moskau bleiben und andere zu Konferenzen reisen lassen müssen. Und sie ist nicht die einzige, die der sinkende Ölpreis zu schaffen macht: Venezuela droht eine riesige Inflation. Ein vom Präsident ausgerufener Wirtschaftsnotstand wurde zwar zunächst vom Parlament abgelehnt, eine Lösung ist jedoch noch nicht in Sicht. Oder ein weiterer Ölstaat: Saudi-Arabien plant, Teile Ihrer großen Ölmultis zu verkaufen. Klar ist für alle, wenn es nichts mehr zu verteilen gibt, werden die Unruhen zunehmen.

Schuld: Sinkende Rohstoffpreise

Beachten Sie: Nicht nur die ölexportierenden Länder sind unter Druck, alle Rohstoffe sind derzeit betroffen. Der Kohlepreis liegt derzeit bei rund 41 Dollar pro Tonne – gegenüber knapp 80 Dollar im Jahr 2011 ist das ein enormer Tiefflug für die Förderunternehmen. Der Stahlhandel liegt am Boden und klagt über massive Überkapazitäten. Überall hat die Spirale aus mangelnden Einnahmen aus dem Rohstoffexport und reduzierten Investitionen Tempo aufgenommen. Gerade deutsche Unternehmen wollten mit viel Geld neue Märkte erschließen. Muss dieses Geld nun abgeschrieben werden?

Das Risiko einen Zahlungsausfall in Russland steigt derzeit von Tag zu Tag. Es ist leider nur eine Frage der Zeit, dass es aus dieser Problematik heraus zu den neuen Insolvenzen und Folgeinsolvenzen auch in Deutschland und Westeuropa kommt. Die Kreditversicherungen haben die Risiken für Sie in Blick und können Ihre Forderungen aus Lieferung und Leistung absichern.

Das Risiko steigt! Warten Sie nicht, nehmen Sie Kontakt mit uns auf:

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