Und dann kam Gera: Als 2014 der Energieversorger der thüringischen Stadt in die Insolvenz geht, scheint ein Tabu gebrochen – und die öffentliche Hand nicht mehr vor Pleiten gefeit. Zwar blieben Fälle wie Gera die Ausnahme, ihre grundsätzlichen Probleme konnten die kommunalen Versorger jedoch nicht lösen.

Es gab eine Zeit, in der war die Welt der Stromkonzerne und Stadtwerke in Ordnung – in der Zeit vor der Liberalisierung der Strommärkte und vor der Energiewende. Damals hatten diese Unternehmen keine Kunden, sondern nur Zählerstellen. Kein Verbraucher konnte sich seinen Lieferanten frei wählen, und so lieferten die Versorger ihre zuvor perfekt kalkulierbaren Gewinne pünktlich ab.

Den Kommunen bot das die Chance, auch defizitäre Angebote wie Schwimmbäder oder den Nahverkehr in die Stadtwerke zu integrieren. Heute, nach der Liberalisierung des Marktes, sind die Margen gefallen. Das alleine wäre schon problematisch, ist aber nicht alles, denn: Stadtwerke haben inzwischen höhere Kosten zu tragen. Sie mussten sich dem Wettbewerb stellen und Vertrieb und Marketing stärken. Viele haben in Kraftwerke investiert, die teilweise hochmodern, aber auch hochdefizitär arbeiten.

Stadtwerke

Energieversorger: Riesige Kraftwerksanlagen, die nicht immer profitabel betrieben werden können. Die Scope-Studie fordert stattdessen: “Ausbau dezentraler Erzeugungskapazitäten wie Erneuerbare Energien oder Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen mit kurzfristigen Ergebniseffekten.”

Die Ratingagentur Scope führte kürzlich eine Untersuchung der Kreditqualität von 30 Stadtwerken durch. Das Ergebnis: einige Stadtwerke verlieren die Einstufung “Investmentgrade”, Kredite an sie seien stark ausfallgefährdet.*

Die Pleite der Stadtwerke Gera fand ihre Ursache in einer unglücklichen Kombination aus Ungeschick, Nahverkehr und Politik. Aber: Scope unterstreicht das, was die Branche schon länger beschäftigt: Der Druck, profitabel zu arbeiten, Schulden abzutragen und defizitäre Geschäftsbereiche abzuwickeln, steigt. Und das Risiko ebenfalls. Nicht verwunderlich, dass Banken sich jetzt immer häufiger vor Krediten an Stadtwerke verschließen.

Dabei benötigen die Stadtwerke inzwischen aber gleichzeitig schneller Kredite, weil Investitionen oder eben die Zahlungen “an’s Stadtsäckel” nicht mehr zuverlässig aus dem Cashflow getätigt werden können. Das Ergebnis laut Scope: “Neue – bislang nur in der Privatwirtschaft gängige Finanzierungsinstrumente – werden auch für Stadtwerke zunehmend interessant.”

Natürlich ist den Stadtwerken diese brenzlige Lage bewusst geworden, längst versucht man gegenzusteuern. Viele haben erkannt, dass Sie auch ihr Risiko reduzieren können und müssen. Warenkreditversicherungen speziell für die Energieversorger sind hoch im Kurs und werden durch uns auch immer weiter entwickelt. Ein weiteres Thema: Bürgschaften für den Energiehandel. Das Kreditwesengesetz (KWG) beschränkt Banken bei der Kreditvergabe, und Bankbürgschaften werden eins zu eins auf die Kreditlinien angerechnet. Auch an dieser Stelle setzen heute viele unserer Beratungsgespräche an.

Sollten Sie Stadtwerke als Herausnahme Ihrer Kreditversicherung definiert haben, sollten Sie darüber nachdenken, Sie künftig doch mit in den Versicherungsschutz zu integrieren. Ein frühzeitiger Risikocheck ist in jedem Falle hilfreich.

* Nachtrag vom 7. März 2016: Auch die Wirtschaftsprüfer von KPMG untersuchten nun die Stabilität von Stadtwerken. Ihre Aussage: “In Deutschland schlummern weitere Risikofälle.” Die komplette Studie können Sie hier nachlesen (PDF). 

Sind Sie als Stadtwerk an einem Gespräch zu den Themen Risikominimierung und Beschaffungsbürgschaften interessiert, gerne stehen wir Ihnen zur Verfügung.

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