Das Jahr ist erst wenige Tage alt, schon kommt die erste Warnung: Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet 2020 mit einem nennenswerten Anstieg der Firmenpleiten.

In seinem jährlich verfassten „Global Insolvency Report“, der am Mittwoch dieser Woche veröffentlicht wurde, prognostiziert Euler Hermes für das laufende Jahr knapp 20.000 Unternehmensinsolvenzen innerhalb Deutschlands. Dies bedeute einen Anstieg von drei Prozent – nach Jahren des Rückgangs beziehungsweise stagnierenden Zahlen im Jahr 2019 ist dies eine auch aus unserer Sicht beunruhigende Vorhersage. Immerhin trifft es bei einer Insolvenz nie nur ein Unternehmen inklusive seiner Angestellten. Es trifft immer auch Geschäftspartner, Abnehmer und Lieferanten.

Unternehmensinsolvenzen 2020

Mehr Firmen gehe in diesem Jahr das Geld aus, erwartet Euler Hermes. Und zwar weltweit. Bild: Unsplash.com

Steigende Unternehmensinsolvenzen 2020 in vier von fünf Ländern

Die Faktoren, die es der deutschen Wirtschaft aktuell schwer machen, haben wir an dieser Stelle schon hinlänglich beschrieben. Auch Euler Hermes verweist (erneut) auf die „schwächelnde Konjunktur“ und die enormen und vielschichtigen Schwierigkeiten der Automobilbranche. Auch die Weltwirtschaft nahm Euler Hermes in den Blick, und auch hier zog der Versicherer eine besorgniserregende Bilanz: In den 44 wichtigsten Staaten erwarte Euler Hermes steigende Insolvenzzahlen, und zwar um insgesamt sechs Prozent. 80 Prozent aller untersuchten Länder seien betroffen, auch dies mehr als noch im Vorjahr. Zwar habe man 2019 durchschnittlich 9 Prozent mehr Unternehmensinsolvenzen weltweit gezählt. Allerdings sei ihre Zahl da noch in jedem dritten Land zurückgegangen oder hatte stagniert.

Vor allem China treibe laut Euler Hermes die Zahlen nach oben. Dort waren im vergangenen Jahr 20 Prozent mehr Firmen zusammengebrochen als 2018. Für dieses, noch frisch vor uns liegende Jahr, rechnet Euler Hermes mit 10 Prozent Anstieg. Und: Man blickt kritisch auf Chile, denn hier sollen die Unternehmensinsolvenzen um 21 Prozent steigen. In Europa liegt nach der Prognose 2020 Dänemark (plus sechs Prozent) ganz hinten. Für Frankreich sagt Euler Hermes nach langer Durststrecke dagegen eine Stagnation der Insolvenzen voraus.

Unser Rat

Mit dem allgemeinen, weltweiten Anstieg der Unternehmensinsolvenzen verschärft sich weiterhin die Lage für deutsche Unternehmer, die in der Vergangenheit etwaige Nachfragerückgänge im eigenen Land immer mit starkem Export ausgleichen bzw. sogar wachsen konnten. Fallen nun wichtige Märkte in anderen Regionen der Welt für deutsche Exporteure weg – oder verkleinern sich auch nur –, drohen Umsatzrückgänge, weniger Liquidität, weniger Investitionsspielraum. Für die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen, wegen in der Folge sinkender Steuereinnahmen aber auch unseres Landes, eine bedrohliche Situation. Wie soll beispielsweise die Digitalisierung und Innovationskraft des eigenen Unternehmens vorangetrieben, und wie sollen wichtige Infrastrukturausgaben des Staats (Netzausbau, Bildung u.v.a.m.) getilgt werden, wenn keine Gewinne in die deutsche Wirtschaft fließen? Diesen Fragen werden sich in diesem Jahr die Politik und die Wirtschafts- und Branchenverbände stellen müssen.

Unternehmer sollten den Jahresbeginn nun nutzen, um besonders gründlich auf die Wirtschaftslage in den jeweiligen Ländern zu schauen, zu denen sie Handelsbeziehungen pflegen. Rekapitulieren Sie das Jahr 2019: Welche Abnehmer hat wie viel eingekauft, wie gestalteten sich die Verhandlungen, wie zügig wurde gezahlt? Ziehen Sie dazu auch Ihren Kreditversicherer zurate – als Makler unterstützen wir Sie selbstverständlich dabei. Und: Sprechen Sie uns an, wenn Sie Ihre Absicherung auf den Prüfstand stellen oder neu ausrichten wollen. Wir helfen Ihnen gern weiter.

Gefällt Ihnen unser Artikel? Teilen Sie ihn gerne mit Ihren KollegInnen: