Es ist soweit: Weniger Wachstum, mehr Insolvenzen

Ein halbes Prozent: Mehr sieht Peter Altmaier nicht mehr, mehr Wachstum sei in diesem Jahr für die deutsche Wirtschaft nicht drin. Das bestätigt den Pessimismus, den wir auch bei den Kreditversicherern beobachten. Und: Mehr Insolvenzen gibt es auch.

Vier Monate des Jahres sind bereits vergangen – genügend Zeit, dass Unternehmen das Jahr 2019 überblicken können. Wie viele Aufträge sind eingegangen, welche Projekte konnten abgeschlossen werden, wie steht es um die Zahlungsmoral der Geschäftspartner und damit auch um die eigene Liquidität inklusive der Fähigkeit zu investieren? Jetzt, einige Wochen, bevor die Urlaubszeit beginnt, ist ein guter Zeitpunkt zu resümieren und an der ein oder anderen Stelle etwas Feinjustierung vorzunehmen.

Der Blick in die Kristallkugel

Schauen wir auf die Zahlen. Deprimierend fiel die Konjunkturprognose der Bundesregierung aus, sie beträgt nur noch 0,5 Prozent. Mindestens genauso erschreckend wie die Zahl selbst – wenn es nur noch 0,5 Prozent Wachstum gibt, heißt das automatisch, dass einige Branchen und Märkte ins Minus geraten werden, wenn andere wachsen wollen – ist die Tatsache, dass die Wachstumserwartungen im Januar noch bei einem Prozent lagen. Was kann denn in gerade einmal zwei, drei Monaten geschehen, dass man die ohnehin niedrigen Erwartungen dann auch noch halbieren muss? Da bleibt uns auch wenig Vertrauen in die 1,5 Prozent-Prognose für 2020.

Klar, uns fallen sofort Gründe für die geringere Erwartung ein: Der Brexit beispielsweise, der bis Ende März abgeschlossen und geklärt sein sollte – und nun ein Synonym für Chaos und Unsicherheit ist. Die anhaltend schwierige Situation für den globalen Handel mit seiner unkonkret schwelenden Politik des Protektionismus. Steigende Zinsen, fehlende Fachkräfte. Immer wieder infrastrukturelle Probleme, Stichwort Netzausbau. Märkte im Umbruch. Nichts davon scheint wirklich in geordnete Bahnen zu kommen. Auch der Sachverständigenrat der Bundesregierungen sowie weitere führende Forschungsinstitute sehen nur noch ein Plus von 0,8 Prozent.

Fast überall Wachstumsrückgänge

Deutschland ist dabei erst seit kurzer Zeit mit Negativschlagzeilen dieser Art konfrontiert. In anderen Ländern Europas und der Welt hatte sich die Konjunktur schon längst eingetrübt, manche wie etwa Griechenland und Spanien leiden seit Jahren. Italien musste seine Wachstumsprognose gar von einem auf 0,2 Prozent herabsenken, außerdem rechnet man mit einem Haushaltsdefizit von 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung. China dagegen darf aufatmen, der IWF erhöht die Wachstumsprognose auf 6,3 Prozent. Und auch in den USA freut man sich über unerwartet gute Zahlen: Im ersten Quartal 2019 erreichte das Wirtschaftswachstum 3,2 Prozent. Weltweit rechnet man beim IWF mit 3,3 Prozent Wachstum, nach 3,6 Prozent im Vorjahr.

Das sagen die Versicherer

„Die fetten Jahre sind vorbei, die weltweite Konjunktur schwächelt“, äußerte sich Ludovic Subran, Chefvolkswirt von Euler Hermes, bereits im Januar. „Viele Länder wachsen langsamer als es notwendig wäre, um die Insolvenzen stabil zu halten. In Westeuropa hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass diese Schwelle beispielsweise bei einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 1,7 Prozent liegt.“

Subran ist nicht allein – dass es zu steigenden Insolvenzzahlen kommen muss, war nicht nur uns seit Monaten klar. Mit dem Ende der Niedrigzinspolitik kristallisiert sich schlichtweg heraus, welche Unternehmen auch ohne Kredite auf dem Markt bestehen können. Und: welche nicht. Von zwei Prozent mehr Firmenpleiten innerhalb Deutschlands geht der Versicherer Atradius aus. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen auch hier die Abschwächung des Welthandels, drohende Importzölle seitens der USA auf Autos sowie ein sich abschwächendes Wirtschaftswachstum. Zuletzt beobachtete man Zahlungsrisiken insbesondere in der Automobil- und in der Konsumgüterbranche.

Mehr Insolvenzen, wenig für die Gläubiger

Das entspricht auch offiziellen Zahlen. Das Statistische Bundesamt teilte mit, bereits im Januar 2019 habe es 5,7 Prozent mehr Unternehmenspleiten gegeben als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Darunter: 300 Insolvenzen im Handel, 265 in der Baubranche (265) und 208 im Gastgewerbe. Die Forderungen der Gläubiger liegen bei 1,2 Milliarden Euro.

Insolvenzen Konjunktur Deutschland

Im Januar 2019 registrierten die deutschen Amtsgerichte 1.700 Unternehmensinsolvenzen. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 5,7 Prozent mehr als im Januar 2018.

Übrigens: Das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt wertete die Ergebnisse der im Jahr 2010 beantragten Insolvenzverfahren aus. Das niederschmetternde Ergebnis: Bei rund 500 Unternehmensinsolvenzen im untersuchten Zeitraum forderten die Gläubiger insgesamt 126,8 Millionen Euro. Sie erhielten jedoch nur 6,2 Millionen Euro, was laut Statistik einer Deckungsquote von 4,9 Prozent entspricht. Mehr als 18 Prozent der 2010 eröffneten Insolvenzverfahren waren zudem bis Ende 2017 noch nicht beendet. Wie viele Unternehmen mögen in Liquiditätsschwierigkeiten und unter Umständen gar ihrerseits in die Zahlungsunfähigkeit geraten sein, weil sie über Jahre auf das ihnen zustehende Geld warten?

Unser Rat kann daher nur lauten: Sichern Sie sich und Ihr Unternehmen gegen Forderungsausfälle ab. Wir helfen Ihnen dabei.

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2019-05-01T23:35:34+00:00Mai 2nd, 2019|Kreditversicherung, Länderrisiken|0 Comments

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