Einen Monat vor Weihnachten wurde Gewissheit, was schon einige Jahre als Damoklesschwert über der österreichischen Supermarktkette Zielpunkt schwebte: Das Unternehmen ist insolvent. 229 Filialen mit 2.500 Mitarbeitern stehen vor dem Aus. Bereits das Geschäftsjahr 2013/14 produzierte ein Minus von 12 Millionen Euro, hinzu kommen Verbindlichkeiten in Höhe von knapp 70 Millionen Euro. Und: Eigenkapital war mit -25 Millionen Euro (minus!) schlichtweg nicht mehr vorhanden.  

Dabei hatte der Haupteigentümer Georg Pfeiffer noch kräftig hineingebuttert: Ganze 50 Millionen Euro, die Zielpunkt eigentlich retten sollten, sind nun in einem schwarzen Loch verschwunden. Man baute um, sanierte und richtete neu aus. Alles ohne Erfolg. Zuletzt fehlten noch einmal 60 Millionen Euro zur Rettung – aber die Banken zogen die Reißleine. Pfeiffer musste seine erst 2013 übernommene Discounterkette sterben lassen.

An der Preisschraube gedreht

Woran lags? Der Lebensmittelmarkt ist hart umkämpft – und in den allermeisten Fällen geht das hierzulande über den Preis. Discounter wie beispielsweise Aldi und Lidl liefern sich eine Schlacht um den Preis für ein Stück Butter oder ein Liter Milch. Über diese Vergleichswerte profilieren sie sich – und das macht es ihnen so schwer, sich auch mit anderen Vorteilen beim Kunden zu empfehlen.

Will auf den amerikanischen Markt expandieren: Lidl. Foto: CC-BY-SA RKG1H / Wikimedia Commons

Will auf den amerikanischen Markt expandieren: Lidl. Foto: CC-BY-SA RKG1H / Wikimedia Commons

Doch wer Preise senkt, macht sich die eigenen Margen kaputt. Nicht verwunderlich, dass Gewinnsteigerung dann nur noch über Expansion geht. Und genau das steht auf dem Zettel der Discounter. Innerhalb Europas haben sie sich bereits beachtliche Marktanteile erobert, in Großbritannien beispielsweise gelang Aldi und Lidl zusammen der Sprung über die 10-Prozent-Hürde. “Sparen made in Germany” wird salonfähig.

Der Weg in ausländische Märkte

Freilich ging das nicht von heute auf morgen. Einige Jahre experimentierten die Discounter im europäischen Ausland. Passten Warenangebot und Öffnungszeiten an, schalteten Werbung. Und blieben dran. Die dabei errungenen Erkenntnisse setzt man nun bei der Expansion in die USA ein. So plant Lidl, seine ersten Fialien im Jahr 2018 zu eröffnen. Aldi ist schon dort.

Carrefour, Tesco und Sainsbury (und bald auch Walmart?) dagegen müssen Verluste verkraften: Rund 5,8 Milliarden Pfund minus beispielsweise wies Tesco für das Geschäftsjahr 2014/15 aus. Umsätze, Margen und Gewinne brechen weg. Neue Konzepte müssen her. Dieser Anpassungsprozess der Branche hat in Deutschland Jahre benötigt. Inzwischen ist der Markt aufgeteilt: Supermärkte wie etwa REWE oder Edeka punkten deutlich durch ihr Warenangebot und gehen den Preiskampf nur über billige Eigenmarken mit.

Tarifkampf und Digitalisierung

Schlechte Presse muss allerdings gerade die “Einmal hin, alles drin”-Kette Real verkraften: Weil sie aus dem Tarifvertrag ausstieg, werden am heutigen Freitag sowie am Samstag 30 Filialen in Nordrhein-Westfalen bestreikt. Üblicherweise brummt das Geschäft samstags in der Vorweihnachtszeit. Ein Streik ist daher nicht nur aus Image-, sondern sicher auch aus Umsatzgründen ein empfindlicher Schlag für das Unternehmen der Metro-Gruppe.

Und: Für alle Ketten kündigen sich die nächsten Herausforderungen bereits an. Online-Shops wie Ocado oder HelloFresh steigen in das Geschäft ein. Auch einige “Offline-Supermärkte” wagen an der Stelle gerade den Sprung ins Digitale. Eines ist klar: der Strukturwandel wird sich nicht aufhalten lassen.

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