Durchschnittlich drei Monate dauert es, bis chinesische Geschäftspartner ihre Rechnungen begleichen, jedes vierte chinesische Unternehmen lässt sich gar viereinhalb Monate Zeit. Damit ist die Zahlungsmoral im Reich der Mitte nicht nur erneut schlechter geworden, sie ist inzwischen weltweites Schlusslicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zum weltweiten Zahlungsverhalten, „Worldwide DSO – Paying the penalty for low growth“, des Kreditversicherers Euler Hermes. Befragt wurden mehr als 27.000 börsennotierte Unternehmen in 36 Ländern und 21 Branchen.

Unter anderem wegen des verlangsamten Wirtschaftswachstums soll sich die Zahlungsmoral in China sogar weiter verschlechtern. Insbesondere die Elektronikindustrie stehe vor großen Herausforderungen. Rechnungen wurden in dieser Branche 2015 nach durchschnittlich 139 Tagen bezahlt (+37 Tage seit 2010), Maschinenbauer beglichen ihre offenen Forderungen nach rund 134 Tagen (+22 Tage seit 2010) und das Baugewerbe nach 109 Tagen (+33 seit 2010).

Weitere Negativ-Spitzenreiter: Länder

Immer mehr Geduld brauchen Exporteure auch in Brasilien (2016 und 2015: jeweils +3 Tage), der Türkei (2016: +2 Tage / 2015: +4 Tage) und Saudi-Arabien (2016: +2 Tage / 2015: +4 Tage). In diesen Ländern entdeckte Euler Hermes den schnellsten Verfall der Zahlungsmoral. In Russland dagegen verbesserte sie sich. Der banale Grund: Viele Unternehmen liefern wegen des unsicheren wirtschaftlichen Umfelds ohnehin nur noch gegen Bares.

DSO Wert

Haben Sie Zeit, lange auf die Begleichung Ihrer Rechnungen zu warten? Euler Hermes untersuchte die Zeitspanne zwischen Rechnungslegung und Zahlungseingang (DSO). In dieser Grafik sehen Sie Euler Hermes‘ Prognose für 2016. Zahlenquelle: Euler Hermes. Grafik: VIA Delcredere GmbH

Negativ-Spitzenreiter: Branchen

Bei den Branchen weltweit – unter anderem getrieben durch die Entwicklung in China – müssen Lieferanten von Unternehmen in der Elektroniksparte (DSO 2015: 89 Tage), Maschinenbau (87) und Baugewerbe (81) am längsten auf ihre Zahlungen warten. Die beiden erstgenannten Branchen leiden dabei vor allem unter ihrer Position am Ende der Wertschöpfungskette – bis dahin summieren sich alle Zahlungsverzögerungen entlang der Lieferkette. In der Baubranche kommt es häufig zu bestrittenen Forderungen, in diesem Fall drohen extrem lange und unter Umständen bedrohliche Zahlungsverzögerungen. Gleichzeitig wird ein Viertel aller Rechnungen bereits nach 40 Tagen gezahlt.

Positiv-Spitzenreiter: Einzelhandel, Lebensmittel, Transportbranche

In den Branchen nahe dem Endverbraucher begleichen Unternehmen weltweit ihre Rechnungen in der Regel sehr zügig. Im Einzelhandel lagen zwischen Rechnungslegung und Bezahlung gerade einmal 27 Tage – ein Viertel der Unternehmen erhielt sogar in weniger als fünf Tagen ihr Geld. In Deutschland wird im Einzelhandel sogar schon nach durchschnittlich 25 Tagen bezahlt. Auch in der Lebensmittelbranche oder im Transportsektor wird weltweit in weniger als 50 Tagen und damit überdurchschnittlich schnell bezahlt – so auch in der Bundesrepublik. Hierzulande zählen auch die Papierbranche und der Haushaltswarensektor zu den Klassenbesten.

Die Lage in Deutschland

Mit einem durchschnittlichen DSO von 53 Tagen liegt Deutschland im oberen Mittelfeld. Lieferanten im Technologiesektor (2015 DSO: 68 Tage), der Elektronik- und Pharmabranche (je 64), dem Telekommunikationsbereich (63) sowie in der Metall- (60) und Automobilbranche (59) müssen hierzulande überdurchschnittlich lang auf ihre Zahlungen warten.

Aber: Deutsche Unternehmen leben stark vom Export – und deshalb ist es so wichtig, die DSO-Werte anderer Länder im Blick zu behalten. Die komplette Studie finden Sie an dieser Stelle (PDF).

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