Vor rund 18 Monaten begann eine der unsichersten Zeiten für die Wirtschaft. CoViD-19 schlug fast zeitgleich auf dem gesamten Globus zu. Unterbrochene Lieferketten wegen Einreisebeschränkungen, stornierte Aufträge, Kurzarbeit und kaum noch öffentliches Leben. Wie reagiert man darauf? In Deutschland antwortete die Politik mit diversen Maßnahmen, von Direkthilfen über erweitertes Kurzarbeitergeld bis hin zum Schutzschirm für die Kreditversicherer. Ob dies wirklich helfen würde, war kaum absehbar.

Nun zeigt sich in einer Umfrage der Coface, dass eineinhalb Jahre später ein gewisser Erfolg zu verzeichnen ist. Das Zahlungsverhalten in Deutschland wird wieder besser.

Viele Lieferanten genießen gutes Zahlungsverhalten Ihrer Kunden

Gleich in mehreren Punkten zeigen sich positive Effekte aus den Stützungsmaßnahmen der Regierung. So steigt die Zahl der Kundenverbindungen, die wieder auf Zahlungsziel beliefert werden. Auch wenn man noch weit vom Wert aus 2019 entfernt ist, sinkt der durchschnittliche Zahlungseingang bzw. Außenstand der Gläubiger. Dies ist ein deutliches Zeichen für ein wachsendes Vertrauen zwischen Kreditoren und Debitoren.
Diese Entwicklung steht im deutlichen Gegensatz zu den steigenden Privatinsolvenzen (wir berichteten Link).

Das Vertrauen untereinander wächst wieder

Das Liefern gegen offenes Zahlungsziel birgt stets das Risiko, dass das Vertrauen in den Abnehmer dadurch enttäuscht wird, dass die versprochene Zahlung ausbleibt. Erfreulicherweise erweisen sich auch die meisten Schuldner derzeit als vertrauenswürdig. So berichtet die Coface von einem spürbaren Rückgang überfälliger Forderungen, ja sogar von einem deutlich schnelleren Zahlungseingang bei den befragten Unternehmen.
Hier zeigt sich offenbar, dass in manchen Branchen so viel Liquidität vorhanden ist, dass man lieber Lieferantenforderungen abbaut, als Negativzinsen in Kauf zu nehmen. Woher diese positive Situation rührt, ist noch nicht evaluiert. Die Stützungsmaßnahmen des Bundes werden Ihren Anteil daran haben, wobei ebenfalls Nachholeffekte eine Rolle spielen.

Verdecken die Hilfsmaßnahmen andere finanzielle Schwächen?

Ist die vielfach vermutete Pleitewelle damit abgewendet? Diese Frage lässt sich wohl erst beantworten, wenn alle Unterstützungsmaßnahmen wieder zurückgefahren wurden. Kurzarbeitergeld und Co. verschleiern immer noch die tatsächliche Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Ob sich damit auch insgesamt die finanzielle Stärke von Unternehmen mit hohen Kreditverbindlichkeiten wieder verbessert hat, zeigt sich final wohl erst Ende 2021. Ob es durch Corona am Ende mehr oder weniger „Zombie-Firmen“ gibt?
Unsere Einschätzung, dass es keine große Insolvenzwelle geben wird, deckt sich mit den Erfahrungen der Versicherer. Auch in unserem Tagesgeschäft finden wir noch keine Anzeichen, dass man sich akut für das Allerschlimmste wappnen muss. Eine gewisse Wachsamkeit bleibt weiterhin ratsam.

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